Jodie Foster im Gespräch mit CineZone
(27.03.2006)

"Ich stehe mit meinen Rollen alleine da."
Jodie Foster
"Es gibt in Hollywood durchaus Leute, die schmutzige Wäsche weiß waschen können."
 
Interview mit Jodie Foster
 

Was die Schauspielerei angeht, kann Jodie Foster niemand etwas vormachen. Seit vier Jahrzehnten ist die 43-Jährige im Geschäft, und entsprechend kritisch ist sie mittlerweile bei der Rollenwahl. Nach "Flighplan" ist die zweifache Mutter nun in Spike Lees Kriminalthriller "Inside Man" mit von der Partie. Darin spielt sie als gewiefte Businessfrau ein intrigantes Spiel mit einem Geiselnehmer und der Polizei. Wir trafen Jodie Foster in ihrer Heimatstadt New York.

CineZone: Mrs. Foster, in Ihren letzten drei Filmen "Inside Man", "Flightplan" und "Panic Room" hatten Sie es stets mit Geiselnehmern zu tun. Gibt es dafür einen bestimmten Grund?

Jodie Foster: Aus diesem Blickwinkel habe ich es noch nie betrachtet, aber natürlich stimmt das, was Sie sagen! Hoffentlich bleibt das die einzige Ähnlichkeit, die Sie entdeckt haben... (lacht)

Bedaure, nein: Sie spielen immer starke Frauen, Eigenbrötlerinnen, die sich gegen das Übel der Welt auflehnen.

Jodie Foster: Das ist in meiner Karriere ein roter Faden, auf den ich sehr stolz bin. Ich stehe mit dieser Rollenwahl nämlich ziemlich alleine da, normalerweise ist man als Schauspielerin ja immer die Schwester, Mutter oder Geliebte der Hauptperson. Männliche Einzelgänger, die eine Wandlung durchmachen, sind ja beleibe nichts seltenes, vielmehr seit Jahrhunderten das Lieblingsthema in der Literatur. Wir Frauen haben es in dieser Beziehung nicht ganz so gut getroffen.

Dann dürfte Ihnen in "Inside Man" die Rolle einer Geschäftsfrau, die mit ihren Reizen spielt und mit knallhartem Zynismus ihre Ziele verfolgt, eigentlich sofort angesprochen haben.

Jodie Foster: Ich habe es tatsächlich sehr genossen, mit zwei einflussreichen Männern auf Augenhöhe zu stehen und sie mit weiblichem Fingerspitzengefühl auszuspielen. Sie geht ihren Weg ganz ohne Waffen und Masken, sagt immer Bitte und Danke und zeigt dabei stets Grazie.

Ihre Motivation ist, unangenehme Beweise verschwinden zu lassen, die im Safe einer Bank lagern. Kennen Sie solche Leute auch privat?

Jodie Foster: Es gibt - ohne näher darauf eingehen zu wollen - in Hollywood durchaus Leute, die schmutzige Wäsche weiß waschen können. Die man anruft, wenn ein Skandal ungeschehen gemacht werden soll. Dass es ähnliche Jobs im politischen Bereich gibt, darüber brauchen wir erst gar nicht zu sprechen.

Kann man Ihnen nach Jahrzehnten im Filmgeschäft überhaupt noch etwas beibringen?

Jodie Foster: Aber sicher! Ich bin vor Drehs zwar nicht mehr wirklich aufgeregt, aber jeder Film bringt dennoch zwei Herausforderungen mit sich: Zum einen gilt es, die Monotonie zu überwinden, eine Szene wieder und wieder spielen zu müssen. Alles zu geben, obwohl man erledigt und ausgelaugt ist. Zum anderen, die psychischen Facetten wirklich authentisch rüberzubringen. Meine Arbeit mag auf der Leinwand so wirken als würde ich das einfach so vom Blatt spielen.

Welche Rolle spielt das Medium Film in Ihrem Leben?

Jodie Foster: Es ist meine Leidenschaft, die ich passiv wie aktiv gerne verfolge. Allerdings mit einer - wie ich hoffe - gesunden Distanz. Ich will nicht, dass eine Babysitterin mein Leben lebt, deshalb fällt es mir leicht, davon abzuschalten. Ich brauche genug Freiräume für mein Privatleben.

Trotzdem haben Sie sich nach langer Pause wieder dazu entschlossen, Regie zu führen. Warum?

Jodie Foster: Ich habe die letzten zehn Jahre fast nicht gearbeitet. Nun gehen die Kinder zur Schule - und ich habe tagsüber Zeit für anderes. Regie ist für mich die nächste Phase meines Lebens. Als Schauspielerin bin ich alt, als Regisseurin ein Neuling. Das muss und will ich ausnutzen. 2007 wird die erste Klappe fallen.

Sie arbeiten derzeit am Drehbuch, das Sie und Robert de Niro zum ersten Mal seit "Taxi Driver" wieder vor der Kamera vereinen wird.

Jodie Foster: Richtig. Mir bedeutet dieser Bogen sehr viel. Deshalb schreibe ich uns zurzeit zwei Rollen auf den Leib, die für uns etwas völlig neues darstellen werden. So eine Rolle wie in "Sugarland" hat Robert de Niro in den letzten zwanzig Jahren nicht gespielt, das kann ich garantieren.

Klingt nach möglichen Oscar-Chancen...

Jodie Foster: Wer weiß? Bis dahin verfolge ich die Verleihung lieber mit meinen Kids vor dem Fernseher. Da sie keine der Filme gesehen haben, sage ich ihnen dann immer, wem sie die Daumen drücken müssen. Im Sprechchor tönt es dann durchs Haus: "Rachel Weisz, Rachel Weisz..." (lacht)

Der Nebenrollen-Oscar für Weisz' Rolle in "Der ewige Gärtner" war ja auch verdient. Hatten Sie als Mitglied der Academy noch andere Favoriten?

Jodie Foster: Ich darf meine Entscheidungen nicht kommentieren, aber im Großen und Ganzen war es ein sehr schlechtes Kinojahr. Es gab wirklich nur sehr wenig gute Filme. Und damit meine ich nicht nur fehlende Frauenrollen, das ist ein anderes Problem, sondern vielmehr die Qualität im Allgemeinen.

Ist das auch der Grund, weshalb Sie vor Jahren als eine der ersten Schauspielerinnen eine eigene Produktionsfirma gegründet haben?

Jodie Foster: Ich wollte sichergehen, dass meine Interessen gewahrt bleiben. Man wird sonst zu oft genötigt, nach der Pfeife eines Studios zu tanzen. Aber irgendwann wurde es mir zu viel. Ich konnte nicht eine Weltkarriere als Schauspielerin, zwei Kinder und eine Produktionsfirma unter einen Hut bringen. Also habe ich irgendwann aufgegeben und verkauft.

Nach welchen Rollen suchen Sie heute?

Jodie Foster: Ich bin eine Schauspielerin, die besser zu großen Mainstream-Filmen passt als zu Independent-Produktionen, das weiß ich inzwischen. Aus meiner Sicht funktioniere ich in groß angelegten Produktionen einfach besser. An kleinen Edelsteinen kann ich mich in Zukunft noch genug als Regisseurin ausprobieren.

Jodie Foster im Gespräch mit Johannes Bonke / ricopress

(Quelle: http://www.cinezone.com)
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