Was
die Schauspielerei angeht, kann Jodie Foster niemand etwas vormachen.
Seit vier Jahrzehnten ist die 43-Jährige im Geschäft, und
entsprechend kritisch ist sie mittlerweile bei der Rollenwahl. Nach
"Flighplan" ist die zweifache Mutter nun in Spike Lees Kriminalthriller
"Inside Man" mit von der Partie. Darin spielt sie als gewiefte
Businessfrau ein intrigantes Spiel mit einem Geiselnehmer und der
Polizei. Wir trafen Jodie Foster in ihrer Heimatstadt New York.
CineZone: Mrs. Foster, in Ihren letzten drei Filmen "Inside
Man", "Flightplan"
und "Panic Room" hatten Sie
es stets mit Geiselnehmern zu tun. Gibt es dafür einen bestimmten
Grund?
Jodie Foster:
Aus diesem Blickwinkel habe ich es noch nie betrachtet, aber natürlich
stimmt das, was Sie sagen! Hoffentlich bleibt das die einzige Ähnlichkeit,
die Sie entdeckt haben... (lacht)
Bedaure, nein: Sie spielen immer starke Frauen, Eigenbrötlerinnen,
die sich gegen das Übel der Welt auflehnen.
Jodie Foster: Das
ist in meiner Karriere ein roter Faden, auf den ich sehr stolz bin.
Ich stehe mit dieser Rollenwahl nämlich ziemlich alleine da,
normalerweise ist man als Schauspielerin ja immer die Schwester, Mutter
oder Geliebte der Hauptperson. Männliche Einzelgänger, die
eine Wandlung durchmachen, sind ja beleibe nichts seltenes, vielmehr
seit Jahrhunderten das Lieblingsthema in der Literatur. Wir Frauen
haben es in dieser Beziehung nicht ganz so gut getroffen.
Dann dürfte Ihnen in "Inside Man" die Rolle einer Geschäftsfrau,
die mit ihren Reizen spielt und mit knallhartem Zynismus ihre Ziele
verfolgt, eigentlich sofort angesprochen haben.
Jodie Foster: Ich
habe es tatsächlich sehr genossen, mit zwei einflussreichen Männern
auf Augenhöhe zu stehen und sie mit weiblichem Fingerspitzengefühl
auszuspielen. Sie geht ihren Weg ganz ohne Waffen und Masken, sagt
immer Bitte und Danke und zeigt dabei stets Grazie.
Ihre Motivation ist, unangenehme Beweise verschwinden zu lassen, die
im Safe einer Bank lagern. Kennen Sie solche Leute auch privat?
Jodie Foster: Es
gibt - ohne näher darauf eingehen zu wollen - in Hollywood durchaus
Leute, die schmutzige Wäsche weiß waschen können.
Die man anruft, wenn ein Skandal ungeschehen gemacht werden soll.
Dass es ähnliche Jobs im politischen Bereich gibt, darüber
brauchen wir erst gar nicht zu sprechen.
Kann man Ihnen nach Jahrzehnten im Filmgeschäft überhaupt
noch etwas beibringen?
Jodie Foster: Aber
sicher! Ich bin vor Drehs zwar nicht mehr wirklich aufgeregt, aber
jeder Film bringt dennoch zwei Herausforderungen mit sich: Zum einen
gilt es, die Monotonie zu überwinden, eine Szene wieder und wieder
spielen zu müssen. Alles zu geben, obwohl man erledigt und ausgelaugt
ist. Zum anderen, die psychischen Facetten wirklich authentisch rüberzubringen.
Meine Arbeit mag auf der Leinwand so wirken als würde ich das
einfach so vom Blatt spielen.
Welche Rolle spielt das Medium Film in Ihrem Leben?
Jodie Foster: Es
ist meine Leidenschaft, die ich passiv wie aktiv gerne verfolge. Allerdings
mit einer - wie ich hoffe - gesunden Distanz. Ich will nicht, dass
eine Babysitterin mein Leben lebt, deshalb fällt es mir leicht,
davon abzuschalten. Ich brauche genug Freiräume für mein
Privatleben.
Trotzdem haben Sie sich nach langer Pause wieder dazu entschlossen,
Regie zu führen. Warum?
Jodie Foster: Ich
habe die letzten zehn Jahre fast nicht gearbeitet. Nun gehen die Kinder
zur Schule - und ich habe tagsüber Zeit für anderes. Regie
ist für mich die nächste Phase meines Lebens. Als Schauspielerin
bin ich alt, als Regisseurin ein Neuling. Das muss und will ich ausnutzen.
2007 wird die erste Klappe fallen.
Sie arbeiten derzeit am Drehbuch, das Sie und Robert de Niro zum ersten
Mal seit "Taxi Driver" wieder vor der Kamera vereinen wird.
Jodie Foster:
Richtig. Mir bedeutet dieser Bogen sehr
viel. Deshalb schreibe ich uns zurzeit zwei Rollen auf den Leib, die
für uns etwas völlig neues darstellen werden. So eine Rolle
wie in "Sugarland" hat Robert
de Niro in den letzten zwanzig Jahren nicht gespielt, das kann ich
garantieren.
Klingt nach möglichen Oscar-Chancen...
Jodie Foster: Wer
weiß? Bis dahin verfolge ich die Verleihung lieber mit meinen
Kids vor dem Fernseher. Da sie keine der Filme gesehen haben, sage
ich ihnen dann immer, wem sie die Daumen drücken müssen.
Im Sprechchor tönt es dann durchs Haus: "Rachel Weisz, Rachel
Weisz..." (lacht)
Der Nebenrollen-Oscar für Weisz' Rolle in "Der ewige Gärtner"
war ja auch verdient. Hatten Sie als Mitglied der Academy noch andere
Favoriten?
Jodie Foster: Ich
darf meine Entscheidungen nicht kommentieren, aber im Großen
und Ganzen war es ein sehr schlechtes Kinojahr. Es gab wirklich nur
sehr wenig gute Filme. Und damit meine ich nicht nur fehlende Frauenrollen,
das ist ein anderes Problem, sondern vielmehr die Qualität im
Allgemeinen.
Ist das auch der Grund, weshalb Sie vor Jahren als eine der ersten
Schauspielerinnen eine eigene Produktionsfirma gegründet haben?
Jodie Foster: Ich
wollte sichergehen, dass meine Interessen gewahrt bleiben. Man wird
sonst zu oft genötigt, nach der Pfeife eines Studios zu tanzen.
Aber irgendwann wurde es mir zu viel. Ich konnte nicht eine Weltkarriere
als Schauspielerin, zwei Kinder und eine Produktionsfirma unter einen
Hut bringen. Also habe ich irgendwann aufgegeben und verkauft.
Nach welchen Rollen suchen Sie heute?
Jodie Foster: Ich
bin eine Schauspielerin, die besser zu großen Mainstream-Filmen
passt als zu Independent-Produktionen, das weiß ich inzwischen.
Aus meiner Sicht funktioniere ich in groß angelegten Produktionen
einfach besser. An kleinen Edelsteinen kann ich mich in Zukunft noch
genug als Regisseurin ausprobieren.
Jodie Foster im Gespräch mit Johannes Bonke / ricopress
(Quelle: http://www.cinezone.com)
|