KINO.DE: In Ihrem letzten
großen Film, "Panic Room", spielten Sie eine Mutter,
die ihre Tochter beschützen muss. In "Flight Plan"
ist die Konstellation ähnlich. Warum fühlen Sie sich zu
solchen Geschichten hingezogen?
JODIE FOSTER: Offenbar spielt da eine unbewusste Vorliebe hinein.
Hinzu kommen rein praktische Gründe. Ab Ende 30 kriegst du
auf einmal immer mehr Mutterrollen angeboten, weil du ab diesem
Alter in der Regel auch selbst Kinder hast. Ich würde allerdings
die beiden Filme nicht miteinander vergleichen. "Panic Room"
war sehr technikorientiert, und man sah die Geschichte aus verschiedenen
Perspektiven. "Flight Plan" dagegen ist viel psychologischer
angelegt, und alles wird nur aus dem Blickwinkel einer Person gezeigt.
Der Zuschauer soll die gleichen Erfahrungen durchmachen.
KINO.DE: Ursprünglich war diese Rolle für einen Mann geschrieben.
Störte Sie das nicht?
JODIE FOSTER: Nein, so etwas ist sehr häufig in unserer Branche.
Genauso kriegen männliche Schauspieler Drehbücher zu lesen,
die ursprünglich für Frauen angelegt sind. Abgesehen davon
war die Figur nicht der typische Machoheld, sondern ein Mann, dem
seine Tochter alles bedeutet. Das Verhalten, das er in manchen Situationen
an den Tag legt, war aber eher typisch für eine Frau. So gesehen
war es fast logisch, dass die Geschichte umgeschrieben wurde.
KINO.DE: Jetzt fügt sich die Figur nahtlos in das Kabinett
Ihrer Heldenrollen. Wollen Sie nicht mal einen völlig anderen
Charakter spielen?
JODIE FOSTER: Ich variiere meine Rollen schon. Nehmen Sie nur "The
Dangerous Lives of Altar Boys", wo ich als fiese Nonne mit
Holzbein zu sehen bin. Aber es gibt ein Grundmuster, das stimmt.
Ich kann keine schwachen Frauen spielen. Und meistens sind es Thriller
oder Dramen. Dabei würde ich liebend gern wieder mal eine Komödie
wie "Maverick" machen. So etwas bekomme ich leider momentan
nicht angeboten, vielleicht weil mich die Regisseure nicht in solchen
Rollen sehen.
KINO.DE: Warum drehen Sie nicht mehr Filme? "Panic Room"
ist ja auch schon drei Jahre her.
JODIE FOSTER: Es gibt Schauspieler, die von einem Film zum nächsten
springen. Das tat ich auch in jüngeren Jahren, aber diese Art
von Leben mag ich nicht mehr. Filme nehmen dir auch viel. Zwar genieße
ich Dreharbeiten, aber in dieser Zeit kannst du nicht mehr normal
leben. Du liest keine Zeitungen, du weißt nicht, welche CDs
gerade herauskommen. Du bist völlig besessen von deinem Job,
und das musst du auch sein, sonst kannst du ihn nicht gut machen.
KINO.DE: Sie arbeiten auch selbst immer wieder als Filmemacherin.
Sind Sie sich daher nicht versucht, Ihren Regisseuren dreinzureden?
JODIE FOSTER: Nein, denn meine Aufgabe ist es, ihrer Vision zu dienen.
Es hat aber Vorteile, die Dinge aus der Regieperspektive zu sehen.
Ich weiß, warum Einstellungen auf eine bestimmte Weise gedreht
werden müssen, wie Stimmungen aufgebaut werden.Je besser ich
verstehe, was ein Regisseur vorhat, desto einfacher ist es für
mich, seine Wünsche zu erfüllen. Manche Schauspieler mögen
das nicht, denn es nimmt ihnen etwas von der Magie ihres Jobs. Für
mich ist es genau umgekehrt. Ich lasse meinen Intellekt immer eingeschaltet.
Quelle: http://www.kino.de
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