| Sie
ist eine der teuersten Schauspielerinnen der Welt und es heißt,
sie hält ihr Privatleben geheim wie keine andere. Dabei muss
man nur einmal nachfragen…
Frau Foster, Sie scheinen einfach
alles zu können: Spielen, Regie führen, Filme produzieren,
Kinder erziehen. Lassen Sie uns testen, ob Sie wirklich so perfekt
sind. Erste Frage: Können Sie einen schmutzigen Witz erzählen?
Ich könnte, wenn ich Witze nicht immer vergessen würde.
O.k., halber Punkt. Kennen Sie ein Lied, das Kinder innerhalb
einer Minute zum Einschlafen bringt?
Aber ja: Jingle Bells. Und Stille Nacht. Die bekommen meine Kinder
selbst im August zu hören.
Wissen Sie die Namen aller Ihrer Assistenten?
Das ist einfach: Ich habe nur eine.
Schaffen Sie es, von Tom Cruise innerhalb eines Tages zurückgerufen
zu werden?
Das könnte klappen.
Bekommen Sie beim Nobel-Japaner Nobu in New York für
heute Abend noch einen Tisch?
Ehrlich? Ganz egal, wie viel Mühe ich mir gebe: Der Laden
ist so begehrt, dass ich das nicht schaffe. Selbst wenn ich eine
Woche vorher anrufe, sagen sie, es ist voll. Und wenn ich einen
Monat vorher anrufe, bekomme ich zwar eine Reservierung, aber
wenn ich dann da bin, lassen sie mich an der Bar warten.
Können Sie eine Designer-Bluse bügeln?
Ich habe eine viel bessere Methode: Ich nehme sie aus dem Trockner
und streiche sie mit den Händen glatt.
Immerhin zweieinhalb Minuspunkte. Dürfen wir vermuten,
dass Sie doch ein normaler Mensch sind?
Ich bitte sogar darum.
Gibt es noch ein anderes Klischee über Sie, mit dem Sie
gerne aufräumen würden?
Viele denken, dass ich das Leben furchtbar ernst nehme. Dabei
bin ich so unkompliziert. Jemand fährt in mein Auto? Ich
steige aus, sage: Zeig mir deinen Führerschein, gib mir deine
Adresse. Fertig. Und das ist mir jetzt schon mehr als einmal passiert.
Es gibt also zwei Jodie Foster: die öffentliche, unnahbare,
und die, die Sie gerade beschreiben.
Das ist der einzige Weg, ein normales Leben zu führen. Und
um das zu schützen, tue ich alles: Als ich umgezogen bin,
habe ich die Möbel selbst geschleppt. Hätte ich das
eine Firma machen lassen, hätte meine Adresse am nächsten
Tag in der Zeitung gestanden. Und es gibt tatsächlich Menschen,
die mich verfolgen. Das denke ich mir nicht aus.
Wie damals, als Ihnen ein Wahnsinniger nachstellte und schließlich
auf Reagan schoss, um Ihre Liebe zu gewinnen?
Genau. Vielleicht ist dieses Erlebnis auch ein Grund, warum mich
Panic Room interessiert.
Wie lange dauert es, vom öffentlichen Leben ins private
zu schlüpfen?
Sie glauben gar nicht, wie schnell das geht. Ich muss heute Abend
auf eine Vernissage, danach werde ich mich ins Auto setzen und
zu Hause wird die private Jodie ankommen. Und sie wird früh
ankommen – ich bin nämlich immer die Erste, die heim
will. Ich erinnere mich an eine Party beim Sundance-Filmfestival:
Alle waren da, es war nett, aber ich bin um zehn verschwunden
und war die Einzige auf der Straße - der Rest der Stadt
hat immer noch gefeiert.
Haben Sie nie Lust, all den Neugierigen einen Streich zu spielen?
Da niemand weiß, wer der Vater Ihrer Kinder ist, könnten
Sie erzählen, dass er vom Mars kommt - jede Zeitung würde
es drucken.
Dazu bin ich nicht der Typ - und ich würde es schon gar nicht
machen, wenn meine Kinder davon betroffen sind.
Waren Sie mal anders?
Ich war schon zu Hause die Vernünftige: Mein Bruder und meine
zwei Schwestern waren wild, fuhren Autos zu Schrott, kamen betrunken
von Partys. Ich war eher daran interessiert, gute Noten zu bekommen
und pünktlich zu Hause zu sein.
Ihre Geschwister müssen ziemlich genervt gewesen sein.
Die waren so viel älter, dass wir nicht viel miteinander
zu tun hatten. Außerdem war das eben mein Weg, um Anerkennung
von meiner Mutter zu bekommen.
Sie konnten mit drei lesen…
Das erzählt meine Mutter, ich kann mich beim besten Willen
nicht daran erinnern. Und bevor Sie jetzt fragen: Mein Sohn Charlie
ist drei, er kann noch nicht lesen und das ist absolut in Ordnung.
Dafür liebt er es, mit mir ins Kino zu gehen.
Arbeiten Sie weniger, seit Sie Kinder haben?
Ganz klar. Im Januar habe ich nach zehn Jahren meine Produktionsfirma
aufgelöst. Ich will aber weiter alle drei Jahre Regie führen,
ich will diese Filme selbst produzieren und ich werde natürlich
so alle zwei Jahre in einem Film spielen. Auch nach 36 Jahren
im Geschäft liebe ich Filme genauso, wie ich es als Kind
getan habe, wenn meine Mutter mich von der Schule abgeholt hat
und wir mit Sandwiches im Kino saßen.
Wie sehen Ihre Tage nun aus, wenn Sie weniger arbeiten?
(lacht) Ich bin genauso gestresst: Ich habe zwei Kinder!
Schon mal daran gedacht, Leute zu engagieren, die Ihnen Arbeit
abnehmen?
Natürlich könnte ich jemanden holen, der kocht, einkauft,
ans Telefon geht. Aber dann würden die mein Leben für
mich leben. Und das will ich selbst tun.
Sie werden dieses Jahr 40. Haben Sie Angst, bald keine Rollen
mehr zu bekommen?
Es heißt immer, dass es schwieriger wird. Aber ich brauche
ja nur alle zwei Jahre einen Film.
Und Angst zu verarmen müssen Sie bei 15-Millionen-Dollar-Gagen
auch nicht haben.
Habe ich aber. Ich weiß, dass das nicht richtig ist, aber
so bin ich halt. Das kommt aus meiner Kindheit, auch, wenn meine
Mutter furchtbar böse wäre, wenn ich sage, dass wir
arm waren. Aber ich erinnere mich an ihren Gesichtsausdruck, wenn
wir Geldsorgen hatten, ich erinnere mich an die ernsten Gespräche.
Sind Sie geizig?
Nicht geizig, aber sagen wir so: Ich lebe nicht sehr luxuriös.
Keine exzessiven Shopping-Trips?
Auf jeden Fall nicht für Klamotten. Ich stehe lieber zwischen
2000 Zahnpastasorten als in einer Mode-Boutique.
Würden Sie in einem Film spielen, nur weil es richtig
Geld gibt?
Hey, als ich The Dangerous Lives of Altar Boys produziert habe,
habe ich draufgezahlt. Ich habe also andere Kriterien.
Was war der Grund in Panic Room mitzuspielen?
Ich wollte unbedingt mit dem Regisseur David Fincher zusammenarbeiten.
Ich liebe Sieben und ich liebe Fight Club. Dann klingelte das
Telefon, sie sagten mir, ich könnte für Nicole Kidman
einspringen, die sich verletzt hatte, müsste aber in eineinhalb
Wochen anfangen zu drehen. Ich sagte: Okay! Natürlich ist
auch die Geschichte klasse: Diese Angst, dass jemand in das eigene
Zuhause, diesen sicheren und heiligen Ort eindringt, die kennt
doch jeder. Und jeder will wissen, wie er sich in so einem Fall
verhalten würde.
Was würden Sie tun?
Ich bin ein logischer Mensch und würde wahrscheinlich sagen:
Nehmt alles, was ihr wollt, und verschwindet dann.
Im Film lassen sich die Einbrecher nicht so leicht vertreiben.
Sie bedrohen Mutter und Tochter stundenlang. Konnten Sie anschließend
nach Hause fahren und ohne Angst einschlafen?
Wenn Sie das drehen, stehen Dutzende von Leuten um Sie rum, die
Situation ist nicht wirklich. Ich saß also abends nicht
zitternd neben meinen Kindern.
Sind Sie ängstlich?
Überhaupt nicht!
Sie haben einmal erzählt, dass Sie Ihre Beine mit Wachs
enthaaren. Wieso verrät jemand, der so ungern über Privates
spricht, ausgerechnet das?
Wahrscheinlich wollte ich zeigen, dass ich keine Angst vor Schmerz
habe. Ich liebe Schmerz nicht, aber ich fürchte ihn auch
nicht.
Also selbst dafür haben Sie eine tiefgründige Erklärung.
Sie haben ja Recht, das ist absurd. Die Wahrheit ist: Manchmal
habe ich einfach keine Ahnung, was ich so alles sage.
Text: Nikolaus Albrecht - (aus: www.bz.berlin1.de
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